Aktuell

Mit Currywurst 1001 Nacht erleben

News & Events

Persönliche Eindrücke von Globoship Product Manager Urs Steiner von einer Kreuzfahrt mit Mein Schiff 4 ab/bis Dubai

Dubai frühmorgens, bereits 26 Grad und die Sonne lacht. In der Immigration Hall interessiert sich niemand ernsthaft für meinen Reisepass, meinen Koffer sehe ich schon von weitem auf dem Gepäckband. Soweit so gut. Das ist auch gut so, denn ich habe schlecht geschlafen im Flieger, habe einen schweren Kopf (woran aber nicht der selbstverschuldete Konsum von Genussmitteln schuld ist) und bin noch im angespannten Arbeitsmodus. Ich will jetzt mal nur aufs Schiff.

Nach dem Zoll folge ich den alle fünfzig Meter in türkisfarbigen T-Shirts gekleideten Reederei-Mitarbeitern, die uns Kreuzfahrer-Ankömmlinge zielstrebig zu den vor dem Terminal wartenden Bussen durchwinken. Keine Stunde nach der Landung sitze ich erleichtert im Bus, jetzt kann ja nichts mehr schief gehen, die Ferien können beginnen. Dachte ich. Kaum abgefahren hustet in der letzten Reihe ein Mitreisender zweimal. Anscheinend – so ist der nun folgenden hitzigen Diskussion zu entnehmen – hat dieser bei seiner Bakterienschleuderaktion nicht schützend die Hand vor den Mund gehalten (nach den aktualisierten Benimm-Regeln sollte es ja sowieso die Ellbogenbeuge sein und nicht die Hand, die ich vielleicht in 10 Minuten schütteln muss). Ein Mitpassagier eine Sitzreihe hinter mir regt sich darüber heftig und lautstark auf und ich fragte mich schon, auf wen ich für die sich abzeichnende Schlägerei im Bus Geld setzen sollte. Das wird ja lustig, mit 2000 streitlustigen Deutschen eine Woche in Arabien unterwegs! Ist das wirklich das Publikum an Bord des (gemäss Eigenwerbung) besten deutschsprachigen Premium-Produkts?

Die Einschiffung im Kreuzfahrtenterminal in Dubai ging schnell und einfach über die Bühne. Die haben das im Griff. Mental zolle ich der Crew von Mein Schiff 4 meinen Respekt. Die Kabine war offiziell zwar erst ab 15 Uhr verfügbar, aber wir konnten bereits an Bord. So konnte ich in der „TUI Bar“ bereits um 9 Uhr morgens meinen ersten Latte macchiato geniessen und begann mich leicht zu entspannen. Dann beging ich den Fehler, aus Gewohnheit einen kurzen Schiffsrundgang zu machen. Als bekennender Strand- und Pooldeck-Muffel hätte ich mir das Sonnendeck 12 an einem Tag, wo schon leicht angeröstete Gäste, die auf die Abreise warten, und sich ankommende Gäste, die sich zum ersten Mal auf den Grill legten, tummelten, ersparen sollen. In den Souks sehen Fleischtheken oft nicht wirklich appetitlich aus. Das ist in etwa, was der Anblick des Pooldecks und der Souk-Fleischtheken für mich in diesem Moment gemeinsam hatten. Ich flüchtete und besuchte die jetzt als Hotelschiff ebenfalls im Hafen von Dubai liegende Queen Elizabeth 2, wo sich zu dieser Zeit nur wenige Dutzend (zum Glück vollbekleidete) Gäste aufhielten.

Vor dem Mittag zurück an Bord der Mein Schiff 4. Meine Kabine ist in der Zwischenzeit bereits bezugsbereit. Housekeeping-Department sei Dank für ihren Einsatz! Die Balkonkabine auf Deck 8 ist mit 17 qm genügend gross. Die hellen Farben wirken freundlich, alles ist in einwandfreien Zustand, die zwei Stühle auf dem Balkon sind bequem, ebenfalls das Sofa. Doch, da lässt es sich aushalten. Aber jetzt raus aus den Anreisekleidern und unter die Dusche. Neue Kleider, neues Glück.

Tag 3. Wir sind seit gestern Abend unterwegs. Hätte ich nicht nach draussen geschaut und die Auslaufmelodie „Grosse Freiheit“ durch die Lautsprecher säuseln gehört, hätte ich nicht gewusst, dass wir von der Pier abgelegt hätten. So leise und sanft sind wir in See gestochen. Etwas, das während der ganzen Reise so blieb, egal ob wir gemächlich mit 11 Knoten oder eher sportlich mit 18 Knoten unterwegs waren, es waren (natürlich auch wegen der spiegelglatten See) weder Motorengeräusche noch Vibrationen spürbar. Eine Mitpassagierin beschrieb es als „dahingleiten“.

 

Die 2015 erbaute Mein Schiff 4 sei, so der General Manager des Schiffes stolz, ein so umweltfreundliches Schiff wie es eben möglich sei und erfülle bereits die ab 2020 gültigen strengeren Umweltauflagen. Das Schiff sei mit einer Abgasreinigungsanlage ausgerüstet. Von der Wasserproduktion bis zu einer schiffeigenen Kehrichtanlage für den Restmüll sei alles an Bord vorhanden. Als unbedarfter Laie staunt man zwischendurch aber schon, was für Rauchschwaden aus dem Kamin entweichen. Entlastend ist anzumerken, dass Frachtschiffe weit über 90 % des Schiffverkehrs auf den Weltmeeren generieren und die meistens weniger sichtbare aber dafür ungefilterte und wesentlich giftigere Abgase in die Atmosphäre blasen.

Ich bin in der Zwischenzeit ausgeschlafener und hatte Zeit, das Schiff ausgeruht zu erkundigen. Die Punktezahl für das Schiff steigt stetig und ist in der Zwischenzeit definitiv im grünen Bereich angelangt. Einen entspannten Latte macchiato in der „TUI Bar“, ein Pre-Dinner-Drink in der ruhigen „Schau Bar“, einen After-Dinner-Drink in der „Aussenalster Bar“ auf Deck 14 mit Blick ins ruhige Fahrwasser der Mein Schiff 4. So lässt es sich doch leben – und dabei haben wir noch gar nicht vom Essen gesprochen.

Auf der Mein Schiff 4 gibt es eine grosse Auswahl an Restaurants und wer Lust hat, morgens um drei Uhr eine Currywurst zu essen, wird im „Tag & Nacht Bistro“ tatsächlich fündig. Die Hauptrestaurants sind das „Atlantik - Mediterran“ und „Atlantik - Klassik“. Beide verfügen über jeweils 500 Sitzplätze. Am Abend wird - neben den Menu-Dauerbrennern - ein täglich wechselndes Fünfgang-Menu angeboten. Stilvoll in ruhiger Ambiente serviert kann ich mich nun entspannt zurücklehnen und den Abend geniessen.

An für den Gast zentralen Stellen wie Rezeption, Bordreiseleitung und Landausflügen sind primär Deutsche beschäftigt. In den anderen Abteilungen ist die Crew bunt gemischt und alle sprechen – mit dem der jeweiligen Stellung nötigen Niveau – Deutsch. Was alle gemeinsam haben: Freundlich, dienstfertig und anscheinend mit Freude an der Arbeit (…und das bei einer 7-Tage-Woche über mehrere Monate hinweg!). Auch wenn es mal hektisch sein sollte, man merkt es dem Personal kaum an. Chapeau!

Auf den Landausflügen sind immer lokale, deutschsprachige Reiseleiter in den Bussen. Auf meinen Landgängen waren das meistens Ägypter mit ausgezeichneten Deutschkenntnissen. Zwischenfazit zur Sprache: Ab dem Empfang am Flughafen bis zur Rückkehr zum Flughafen ist wirklich kein Wort Englisch nötig!

Meine Wahrnehmung des Publikums ist seit meiner Ankunft versöhnlicher geworden. Das gelegentliche Gekläffe im Lift oder vor den Restaurants von Ehepaaren, die anscheinend schon einige Jahrzehnte sich durchgezankt haben, kann ich in der Zwischenzeit gut ignorieren. Am Abend wird an Bord für die Restaurants „angemessene Kleidung“ empfohlen, wobei das „angemessen“ nicht mit „formal“ verwechselt werden darf. Lange Hosen und ein Hemd sind da schon ausreichend. Der mitgebrachte Sakko blieb unbenutzt im Kabinenschrank. Trotzdem wirkt die Atmosphäre am Abend an Bord ungezwungen stilvoll. Welten vom Ballermann und Souk-Fleischtheken.

Die Platzverhältnisse an Bord sind grosszügig. Man findet überall einen Platz und wird auch bei Andrang innerhalb nützlicher Frist bedient. An einem Seetag raffte ich mich zu einem kurzen Rundgang zum Pooldeck durch und – wenn auch im Schatten – gab es sogar noch freie Liegen. Wer es noch etwas ruhiger haben möchte und keine Suite gebucht hat (Suitengäste haben eine eigene Lounge), kann sich in die „Grosse Freiheit“ zurückziehen. Dazu benötigen wir nun einen kleinen Exkurs zu den Preisen: Im Kreuzfahrtenpreis ist praktisch alles inbegriffen: Trinkgelder, Tischwein, Getränke (vom Mineralwasser bis zu den Cocktails). Wer keinen Landausflug oder Spa-Anwendung bucht kann am Ende der Kreuzfahrt ohne einen weiteren Rappen zu bezahlen wieder von Bord gehen und hat sehr gut gelebt. Einzig für exklusive Spirituosen wird ein Aufpreis verlangt und für die Getränke im Bereich der „Grossen Freiheit“. Dafür wird der Whisky Sour in der im „Grosse-Freiheit“-Bereich gelegenen „Diamant Bar“ aber auch noch mit Nüssen und Trockenfleisch serviert, der Cafe Lungo in der „Café Lounge“ mit einer Praline. Da wird dann einfach noch das oft zitierte Tüpfchen auf dem „i“ gesetzt. Ebenfalls im Bereich der „Grossen Freiheit“ gelegen sind die (kostenpflichtigen) Spezialitätenrestaurants „La Spezia“, „GOSCH Sylt“ und „Surf & Turf“.

Es gibt Schiffe, die ein grösseres Unterhaltungsprogramm am Abend haben, als die „nur“ über etwas mehr als 1200 Kabinen verfügende Mein Schiff 4. Was aber im 1000-plätzigen Theater geboten wird hat einen guten Unterhaltungswert. Etwas schade ist es, dass man im Gegensatz zu anderen Reedereien im Theater keine Getränke erhält. Mein absoluter Favorit war jedoch das intimere „Klanghaus“: Hier treten je nach Reise verschiedene Akteure auf. Auf meiner Reise gab es unter anderem eine Buchlesung „Innenkabine mit Balkon“, die auf unterhaltsamste Weise vom Kreuzfahrtdirektor und dem Entertainment Manager vorgetragen wurde. Ein weiterer Höhepunkt war die Show der „Akustischen Vier“, die mit einer Zugabe mitten in der Schiffseinkaufspassage „Neuer Wall“ endete. Für eher ruhigere aber äusserst harmonische Töne sorgte das Humboldt Streichquartett „Opera“. Zudem werden an Bord viele kleine (zum Teil kostenpflichtige) Veranstaltungen angeboten: Kaffee-Tasting, Whisky- oder Weinverkostung, Siebdruck- oder Malkurse, diverse Sportlektionen, Lektorenvorträge über die nächsten Häfen, Schmuckherstellung und so weiter. Zudem gibt es auf Deck 12 noch den Spa-Bereich, wo man unter anderem eine Stoffwechselanalyse, eine ayurvedische Fussmassage, eine Entspannungsmassage oder eine Ultraschall-Gesichtsanwendung über sich ergehen lassen kann. Wie Sie sicher spüren, ist das nicht die Welt des Schreibenden, aber ich gönne es jeder/jedem, der das Bedürfnis danach hat. Das Schiff ist auf jeden Fall gut eingerichtet dafür.

Der Kapitän (während der Woche für unsere Kabinenkategorie nur als Stimme während der täglichen Mittagsdurchsage erlebbar) hat in der Zwischenzeit wieder Kurs auf Dubai genommen. Wir sollen am frühen Nachmittag anlegen. Auf Deck 12 wird weiter fleissig um den 25 Meter langen Pool (PS: für ein Kreuzfahrtschiff übrigens eine sehr stattliche Länge) Menschenfleisch gegrillt, etwas weiter vorne im Spa-Bereich wird das gegrillte Menschenfleisch noch geknetet, geölt, gepeelt oder fettzellenentleert. Da sitze ich doch lieber nochmals in der „Aussenalster-Bar“ und geniesse ein Hopfen-Malz-Getränk nach dem bayrischen Reinheitsgebot. Hopfen sei ja schliesslich auch gesund wurde mir mal gesagt.

Zeit zum Auschecken. Schade. Ich hätte es jetzt noch eine weitere Woche ausgehalten – einfach ohne Deck 12.

Interessiert an einer Kreuzfahrt mit Tui Cruises? Eine Übersicht der Reisen finden Sie hier

Fragen? Senden Sie uns Ihre Anfrage

Anfragen