Beladenes Frachtschiff

Wissenswertes zu Frachtschiffreisen


Frachtschiffreisen sind ein absolut aussergewöhnliches Erlebnis – in keiner Art und Weise mit einer Kreuzfahrt zu vergleichen. Mit den nachfolgenden Punkten möchten wir Sie auf einige Besonderheiten einer Frachtschiffreise aufmerksam machen und nicht etwa abschrecken..... Es ist uns ein Anliegen, Sie vor Ihrer endgültigen Entscheidung gut zu informieren, was Sie bei einer Frachtschiffreise erwartet: 

Zeitliche Flexibilität

Auf Frachtschiffen ist die Fracht König – nicht der Passagier. Dies führt öfters dazu, dass die Fahrpläne und die Routen – je nach Ladeaufkommen – kurzfristig ändern oder eine Reise – vereinzelt auch ganz kurzfristig – annulliert wird. Nur wer zeitlich relativ ungebunden ist, kann eine Frachtschiffreise unternehmen. Abfahrts- und Ankunftsdatum werden bei Frachtschiffreisen nie garantiert und können sich – bedingt z.B. durch schlechtes Wetter oder verspätetes Eintreffen von Fracht – noch während der Reise verschieben. Das Schiff kann z.B. plötzlich vier Tage früher fahren oder aber eine Woche Verspätung haben. Solche Verschiebungen sind normal und müssen bei der Reiseplanung berücksichtigt werden. Dies gilt insbesondere für die Planung von Anschlussprogrammen an die Frachtschiffreise (Weiterflüge, Hotelreservationen, etc.).

Gesundheit

Auf Frachtschiffen müssen Sie immer wieder Treppen steigen. Sie müssen daher gut zu Fuss sein und sich auch bei Wellengang das Treppensteigen noch zutrauen. Auf Frachtschiffen befindet sich kein Arzt, die Offiziere sind jedoch in erster Hilfe ausgebildet. Deshalb bestehen für gewisse Reisen auch Altersbeschränkungen (meistens zwischen 75 und 79 Jahren) und für Passagiere ab 65 wird immer ein ärztliches Attest verlangt, bei den meisten Reedereien aber auch von jüngeren Passagieren.

Sprache

Englisch ist die Haupt-Verständigungssprache auf den Schiffen. Aus Sicherheitsgründen muss die Mannschaft davon ausgehen können, dass sie mit Ihnen im Notfall auf Englisch kommunizieren kann und Sie die entsprechenden Anweisungen auch verstehen. Je nach Schiff können auch Französisch- oder Italienischkenntnisse nützlich sein.

Unterhaltung/Essen

Auf einem Frachtschiff hat man das, was im Alltag meistens fehlt: Freie Zeit! Zeit um auszuspannen, zu lesen, den Wolken zuzuschauen, in den Tag hinein zu dösen. Die Schiffsmannschaft ist nicht für die Unterhaltung der Passagiere zuständig und man muss sich selber beschäftigen können. Eventuell sind Sie einziger Passagier an Bord. Auf den meisten Schiffen ist während einer Überfahrt die Kommandobrücke für Passagiere zugänglich, ebenso die Offizierslounge und vom Kapitän definierte Decksflächen. Nur auf Einladung hin dürfen normalerweise die Aufenthaltsräume der Seeleute besucht werden. Je nach Kapitän, Wetter, Fahrtgebiet und Unterhaltsarbeiten an Deck können die freigegebenen Flächen variieren. Es gilt: Wenn der Kapitän „NEIN“ sagt, dann ist dies das Gesetz. Da spielt es keine Rolle, ob man als zahlender Passagier auf dem Schiff ist oder nicht. An Bord herrscht normalerweise eine militärische Befehlsstruktur, die für Landratten zwar ungewohnt, auf hoher See aber für die Sicherheit des Schiffes unabdingbar ist. Die einzigen Fixzeiten an Bord eines Frachtschiffes sind die Essenszeiten (Frühstück, Mittagessen und Abendessen). Zu den Mahlzeiten sollte man entsprechend pünktlich erscheinen.

Eingesetzte Schiffstypen

Die Mehrheit aller angebotenen Frachtschiffe mit Passagierbeförderung sind reine Containerschiffe, die von deutschen oder französischen Reedereien kontrolliert werden. Die Mitfahrt auf Tankern, Gas- und Chemieschiffen ist nicht gestattet. 

Des weiteren gibt es einige Stückgutschiffe, die Passagiere akzeptieren, auf welchen Ladung transportiert wird, die nicht in einem Container transportiert werden kann. Da müssen Sie zeitlich meistens sehr flexibel sein, weil man erst wenige Tage vor Abfahrt weiss, wann das Schiff nun endlich ankommt und wohin es überhaupt fährt.

Bei den meisten Schiffen handelt es sich um Schiffe, die in den letzten fünf bis zwanzig Jahren in Dienst gestellt wurden. Schiffsinformationen wie Schiffsname, Nationalität der Schiffsführung, Angaben über Kabinen, Flagge und technische Daten sind nur als unverbindliche Informationen gedacht. Einige dieser Angaben können sehr schnell ohne Ankündigung ändern und sind daher unter Vorbehalt.

Kabinen

Je nach Schiff stehen für Passagiere eine bis sechs Kabinen zur Verfügung. Die wenigsten Frachtschiffe befördern jedoch mehr als sechs Passagiere. Oft ist man auch der einzige Passagier an Bord. Da kein Arzt an Bord ist, dürfen aus rechtlichen Gründen auf einem Frachtschiff in keinem Fall mehr als 12 Passagiere mitfahren. 

Die allermeisten Kabinen sind Aussenkabinen mit Dusche/WC. Der Standard variiert je nach Schiff zwischen ehemaligen Mannschaftskabinen von 10qm Grösse bis zur Eignerkabine von 40qm mit Wohn- und Schlafraum. 

Grundsätzlich sind die Kabinen wohnlich eingerichtet und sauber. Je nach Reederei und Alter des Schiffes variiert der Standard etwas.
 

Liegezeiten in den Häfen

Containerschiffe bleiben zwischen 6 bis 24 Stunden im Hafen. Da sich Containerterminals oft weit entfernt von den Stadtzentren befinden, ist in vielen Häfen kein Landgang möglich oder wird von den Hafenbehörden erst gar nicht bewilligt. In erster Linie muss bei einer Frachtschiffreise immer das „Erlebnis Schifffahrt“ im Vordergrund stehen und nicht das Entdecken fremder Länder. In den grösseren Häfen gibt es oft die sogenannten Seefahrermissionen, wo man auch als Passagier zwischendurch wieder etwas Landluft schnuppern kann.

Sicherheit an Bord und in den Häfen

Sofern der Kapitän es nicht von sich aus bekannt gibt, so erkundigt man sich selber nach den Bordregeln auf „seinem“ Schiff: Wann darf man auf die Kommandobrücke, wann an den Bug, welche Flächen darf man nicht betreten, etc. Zudem ist jeder Hafen ganz verschieden. Auch als Passagier ist man dem Kapitän unterstellt und hat seinen Anweisungen strikte Folge zu leisten. Wenn de Kapitän einen Landgang als zu gefährlich einstuft, gibt es keinen Landgang! Hören Sie auf die Ratschläge des Kapitäns und der Offiziere.
 

Arbeit an Bord eines Frachtschiffes / Anheuern im Hafen

Aus versicherungstechnischen Gründen ist das „Rüberarbeiten“ in der heutigen Zeit nicht mehr möglich. Die Schiffe liegen heute nur noch kurz im Hafen (6-24 Stunden). Während dieser Zeit ist der Kapitän sehr beschäftigt und oft auch nicht an Bord anzutreffen. Zudem sind die Containerterminals heutzutage hermetisch abgeriegelt, so dass man gar nicht zu den Schiffen gelangt. Deshalb ist es aussichtslos, in den Häfen direkt auf eine Mitfahrtgelegenheit zu hoffen. Für jeden an Bord müssen zudem vor der Abfahrt auch Versicherungen abgeschlossen werden und Mannschaftslisten den Behörden gemeldet werden. Dies kann nicht innerhalb weniger Minuten geschehen.


Einreisebestimmungen / Gesundheitsvorschriften

Die Einreise mit einem Frachtschiff in ein Land verlangt oft andere Einreisebestimmungen als wenn man mit dem Flugzeug einreist. So verlangen die USA z.B. für alle Frachtschiffpassagiere ein US-Visum (ausser bei einer Reederei), China/Vietnam in gewissen Häfen ein Businessvisum und Malaysia ein Rückflugticket ins Heimatland (nicht nur ein Weiterreise-Ticket). Viele Länder in Arabien, dem indischen Subkontinent, Zentralamerika und Fernost verbieten zum Teil die Ein- und/oder Ausschiffung von Passagieren. Für die Passage des Panama- und des Suezkanals wird die Gelbfieberimpfung verlangt, auch wenn diese medizinisch nicht notwendig wäre. Die genauen Vorschriften für Ihre Reise finden Sie jeweils in unseren Offerten vermerkt.


Deviationsversicherung und Hafengebühren

Die obligatorische Deviationsversicherung wird von der Reederei für jeden Passagier abgeschlossen. Diese deckt den wirtschaftlichen Schaden der Reederei, sollte das Schiff wegen einer akuten Erkrankung eines Passagiers eine Routenänderung vornehmen müssen. Diese Versicherung kostet je nach Schiff und Route normalerweise zwischen Fr. 65.— und Fr. 300.— pro Person und Reise. Teilweise ist diese Versicherung im Passagepreis inbegriffen oder sie wird in unserer Offerte separat ausgewiesen.

Frauen auf Frachtschiffen

Manche Frauen sind skeptisch, ob das Reisen auf Frachtschiffen für sie eine sichere Reise-Art ist. Wir dürfen hier mit gutem Gewissen Entwarnung geben und auch die Mütter beruhigen, die ihre Töchter für durchgeknallt halten, weil sie alleine auf ein Frachtschiff wollen. Das Bild des raubeinigen Seemanns ist auf den modernen Containerschiffen eher die Ausnahme als die Regel. Normalerweise sind die Seeleute sehr zivilisierte, ruhige und hochanständige Menschen. Nach all den gesammelten Erfahrungen und Rückmeldungen sowohl unserer weiblichen Passagiere als auch der verschiedenen Reedereien, ist es für allein reisende Damen ohne weiteres möglich, auf einem Frachtschiff mitzureisen. Oft freuen sich die Besatzungen, wieder einmal ein weibliches Gesicht zu sehen und die Damen an Bord werden dementsprechend verwöhnt, ohne bedrängt zu werden. Natürlich ist auch die Passagierin angehalten, keine falschen Signale auszusenden. Im knappen Bikini auf der Kommandobrücke herumzustolzieren wäre eindeutig nicht angebracht und würde wohl auch vom Kapitän nicht goutiert. Das Mitfahren auf einem Frachtschiff ist für Damen normalerweise sicherer als jeder Nachtspaziergang in einer Grossstadt.

Kinder auf Frachtschiffen

Immer wieder wagen auch Familien eine Frachtschiffreise. Die Altersbeschränkung für die Mitreise von Kindern bewegt sich je nach Reederei zwischen 12 und 16 Jahren. Die Eltern sind, wenn sie mit ihren Kindern auf eine Frachtschiffreise gehen, auf jeden Fall gefordert. Da zu jeder Tages- und Nachtzeit Mannschaftsmitglieder schlafen, darf nicht die Aufbauten rauf und runter gerannt werden. Der Lärmpegel – auch innerhalb der Kammer – muss im normalen Rahmen liegen. Weder der Passagier noch der Kapitän/Offizier in der Nachbarkabine schätzen es, wenn deren Schlaf durch Kindergeschrei gestört wird.

Tiere auf Frachtschiffen

Wir erhalten oft Anfragen, ob man Haustiere auf die Reise mitnehmen kann. Dies ist leider nicht möglich. Es ist egal, ob es die kuscheligste Deutsche Dogge, der harmloseste Chihuahua, der ruhigste Papagei oder die anschmiegsamste Königspython ist. Die Antwort der Reederei ist immer gleich: Nein. Es ist auch egal, wenn alle nötigen Papiere für die Einfuhr eines Tieres vorhanden sind. Keine Reederei geht das Risiko ein, dass sich die Abfahrt ihres Schiffes verzögert, weil die Hafenbehörden Schwierigkeiten machen, nur weil im Ursprungsland irgendwo ein Stempel am falschen Ort gemacht wurde oder ein gar nicht existierendes Formular nicht vorhanden ist. Zudem sind Frachtschiffe nicht für Tiere eingerichtet.

Auto und Motorrad

Auf einigen Frachtschiffen können Passagiere auch ihre Motorräder/Autos mitnehmen. Dies ist auf folgenden Routen möglich: 

  • Europa – Kanada – Europa
  • Europa – Montevideo – Europa
  • Nordeuropa – Südeuropa – Nordeuropa
  • Europa – Israel – Europa
  • Europa – Südafrika – Europa